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Heute Krank

Ratgeber

Krankschreibung ohne Arztgespräch

Kurz gesagt: Angebote ohne jeden Arztkontakt gibt es, aber das Ergebnis ist arbeitsrechtlich angreifbar. Ein Landesarbeitsgericht hat deswegen bereits eine fristlose Kündigung bestätigt. Hier steht, was die Gerichte entschieden haben und woran Sie solche Anbieter erkennen.

Stand:

Gibt es eine Krankschreibung ohne Arztgespräch?

Angebote dafür gibt es, und sie sind leicht zu finden: Sie füllen einen Fragebogen aus, zahlen meist zwischen 25 und 30 Euro und bekommen kurz darauf ein PDF. Ein Arzt hat Sie dabei weder gesehen noch gesprochen. Rechtlich ist das der entscheidende Mangel, denn eine Arbeitsunfähigkeit muss ärztlich festgestellt werden, und festgestellt wird sie im Kontakt, nicht im Formular.

Was Sie in diesen Fällen erhalten, sieht aus wie eine Bescheinigung. Ob es im Streitfall auch wie eine wirkt, ist die eigentliche Frage, und die Antwort der Gerichte fällt deutlich aus.

Was ist im Ernstfall passiert?

Das Landesarbeitsgericht Hamm hat die fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers bestätigt, der eine ohne jeden Arztkontakt ausgestellte Bescheinigung eingereicht hatte (Urteil vom 05.09.2025, Az. 14 SLa 145/25). Nicht das Kranksein war der Kündigungsgrund, sondern das Einreichen eines Nachweises, der keiner war.

Das Landgericht Köln hat im April 2026 entschieden, dass eine Diagnosestellung allein anhand eines ausgefüllten Fragebogens für kein Krankheitsbild dem fachlichen Standard entspricht (Urteil vom 29.04.2026). Damit steht auch aus ärztlicher Sicht fest, dass hier keine Feststellung im Rechtssinne stattfindet.

Für Sie bedeutet das ein doppeltes Risiko: Der Arbeitgeber kann die Entgeltfortzahlung verweigern, und im schlimmsten Fall steht das Arbeitsverhältnis selbst zur Disposition. Die 29 Euro sind dann der kleinste Posten der Rechnung.

Woran erkenne ich solche Anbieter?

Das deutlichste Zeichen ist das Fehlen eines Termins. Wo es nur ein Formular und einen Bezahlvorgang gibt, aber keinen Zeitpunkt, zu dem jemand mit Ihnen spricht, findet auch kein ärztlicher Kontakt statt. Ein zweites Zeichen sind Zusagen über das Ergebnis: Wer eine Bescheinigung verspricht oder ihre Anerkennung garantiert, sagt damit, dass die ärztliche Entscheidung schon vor der Untersuchung feststeht.

Prüfen Sie außerdem das Impressum. Häufig steht dort eine Briefkastenfirma im Ausland, oft ohne ladungsfähige Anschrift in Deutschland und ohne benannten Arzt. Mehrere Ärztekammern führen inzwischen Warnlisten mit Arztnamen, die auf solchen Bescheinigungen auftauchen, ohne dass es diese Ärzte gibt.

Und wenn ich einfach kein Video machen möchte?

Der Wunsch ist verständlich, gerade wenn man sich krank und unansehnlich fühlt. Die Alternative Telefon fällt allerdings weg: Die telefonische Krankschreibung war stets auf Praxen beschränkt, die den Patienten bereits kannten, und sie soll nach dem Koalitionsbeschluss vom 2. Juli 2026 ganz abgeschafft werden. Ausdrücklich erhalten bleiben soll die Videosprechstunde.

Praktisch dauert das Gespräch wenige Minuten, und es geht dabei nicht um einen guten Eindruck. Der Arzt schaut auf Ihren Allgemeinzustand, fragt gezielt nach und lässt sich gegebenenfalls eine Temperaturmessung zeigen. Kamera an, kurz sprechen, fertig.

Was ändert das Videogespräch am Ergebnis?

Es macht aus dem Dokument einen Nachweis. Der Beweiswert einer Bescheinigung hängt daran, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Arbeitsunfähigkeit tatsächlich festgestellt hat. Im Video ist das der Fall: Sichtkontakt, Befragung, Beurteilung des Allgemeinzustands, alles dokumentiert.

Das Arbeitsgericht Erfurt hat einer auf diesem Weg ausgestellten privatärztlichen Bescheinigung den vollen Beweiswert zugesprochen, weil die Ärztin die Patientin gesehen und die Temperaturmessung beobachtet hatte (Urteil vom 19.07.2023, Az. 4 Ca 32/23). Wer die Bescheinigung anzweifeln will, muss dann konkrete Tatsachen vortragen, und die hat er bei einem echten Arztkontakt in aller Regel nicht.

Lohnt sich der Unterschied?

Der Preisunterschied ist gering. Die Angebote ohne Arztkontakt liegen meist bei 28 bis 30 Euro, eine ärztliche Videokonsultation bei uns in der Regel bei 49,99 €. Für wenige Euro mehr bekommen Sie statt eines PDFs ein ärztliches Gespräch mit einem in Deutschland approbierten Arzt und eine Bescheinigung, hinter der eine dokumentierte Feststellung steht.

Was wir Ihnen nicht versprechen: dass am Ende eine Bescheinigung steht. Der Arzt entscheidet im Gespräch. Ist eine Arbeitsunfähigkeit ärztlich vertretbar, erhalten Sie sie als PDF, für höchstens 3 Kalendertage und ohne Rückdatierung. Andernfalls bekommen Sie eine klare Empfehlung, wie es weitergeht. Genau diese Offenheit ist der Unterschied zu einem Angebot, dessen Ergebnis schon beim Bezahlen feststeht.

Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall. Bei akuter Gefahr wählen Sie 112, außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.