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Heute Krank

Ratgeber

Krankschreibung wegen Stress und Erschöpfung

Kurz gesagt: Erschöpfung und akute Belastung sind anerkannte Gründe für eine Krankschreibung, Ihr Arbeitgeber erfährt die Diagnose nicht, und eine erste Bescheinigung ist meist kurz. Hier steht, was Sie dem Arzt sagen, was Sie währenddessen dürfen und wann eine Auszeit allein nicht reicht.

Stand:

Was sage ich dem Arzt?

Das, was ist. Seit wann Sie sich so fühlen, was Sie belastet, ob Sie schlafen, ob Sie sich konzentrieren können, ob der Alltag noch geht. Sie müssen keine Diagnose mitbringen und nichts dramatisieren. Eine akute Belastungsreaktion oder ein Erschöpfungszustand sind anerkannte Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit, und ein Arzt erkennt sie im Gespräch.

Ehrlichkeit hilft Ihnen mehr als Zurückhaltung. Wer sagt „ich kann gerade nicht mehr, ich schlafe seit zwei Wochen kaum, ich funktioniere nur noch", gibt dem Arzt genau die Angaben, die er für seine Einschätzung braucht. Wer stattdessen Kopfschmerzen vorschiebt, bekommt vielleicht eine Bescheinigung, aber nicht die Frage, die eigentlich ansteht: Was muss sich ändern?

Der Arzt wird auch nach Dingen fragen, die unangenehm sind: ob Sie vermehrt trinken, ob Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun. Das ist keine Unterstellung, sondern Sorgfalt. Genau diese Fragen entscheiden darüber, ob eine Auszeit reicht oder ob Sie mehr Unterstützung brauchen.

Erfährt mein Arbeitgeber den Grund?

Nein. Die Bescheinigung für den Arbeitgeber nennt keine Diagnose, nur Beginn und voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Das gilt für jede Krankschreibung, ob Erkältung oder Erschöpfung. Ihr Arbeitgeber darf den Grund auch nicht erfragen, und Sie müssen ihn nicht nennen.

Was Sie ihm schulden, ist die Krankmeldung selbst: unverzüglich, also am ersten Tag vor Arbeitsbeginn oder so früh wie möglich, nach § 5 Absatz 1 Satz 1 Entgeltfortzahlungsgesetz. Ein Anruf oder eine kurze Nachricht genügt. „Ich bin krank und voraussichtlich bis Freitag nicht da" ist vollständig.

Die Ausfertigung für die Krankenkasse enthält die Diagnose, geht aber an die Kasse und nicht an den Arbeitgeber. Bei einer privatärztlichen Bescheinigung reichen Sie diese Ausfertigung selbst ein; Ihr Arbeitgeber sieht sie nicht.

Was auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung steht und wer welche Ausfertigung bekommt →

Wie lange wird man wegen Stress krankgeschrieben?

Zunächst kurz. Eine erste Bescheinigung bei akuter Belastung umfasst üblicherweise wenige Tage; bei einem Arzt, der Sie zum ersten Mal sieht, sind drei Tage der übliche Rahmen. Das ist kein Misstrauen, sondern medizinisch sinnvoll: Nach ein paar Tagen Abstand lässt sich besser beurteilen, ob es eine Erschöpfung war, die sich erholt, oder ob mehr dahintersteckt.

Deshalb gehört zu einer Krankschreibung wegen Stress ein zweiter Blick. Geht es Ihnen nach der ersten Bescheinigung noch nicht besser, wird die Arbeitsunfähigkeit in einer Folgebescheinigung verlängert, nach einem weiteren Gespräch. Das gilt in der Praxis wie per Video.

Länger als ein paar Wochen sollte niemand allein mit einer Krankschreibung bleiben. Spätestens dann ist die Frage nicht mehr „wie lange noch", sondern „was hilft": Hausarzt, psychotherapeutische Sprechstunde, betriebliche Angebote, ein Gespräch über die Arbeitsbedingungen.

Wie lange kann man krankgeschrieben werden, und wie schließen Folgebescheinigungen an? →

Was darf ich während der Krankschreibung?

Alles, was der Genesung nicht im Weg steht. Eine Krankschreibung ist kein Hausarrest. Spazierengehen, Einkaufen, Freunde treffen, Sport in vernünftigem Maß, sogar eine Reise kann bei Erschöpfung sinnvoll sein. Was zählt, ist die Frage, ob das Verhalten die Erholung fördert oder ihr schadet.

Was Sie nicht dürfen: sich verhalten, als wären Sie arbeitsfähig. Wer wegen Erschöpfung krankgeschrieben ist und nebenbei für einen anderen Auftraggeber arbeitet, riskiert nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts Abmahnung oder Kündigung, weil das den Beweiswert der Bescheinigung erschüttert. Dasselbe gilt für alles, was der Arzt ausdrücklich ausgeschlossen hat.

Ein Foto vom Strand ist rechtlich kein Problem, wenn die Reise der Erholung dient. Klug ist trotzdem, mit dem Arzt zu besprechen, was Sie vorhaben, und es in der Akte stehen zu haben. Dann ist die Frage im Zweifel schon beantwortet, bevor jemand sie stellt.

Geht eine Krankschreibung wegen Stress per Video?

Ja, bei akuter Belastung ist das Videogespräch ein geeigneter Weg. Ob jemand erschöpft ist, nicht schläft, sich nicht konzentrieren kann und den Alltag kaum bewältigt, lässt sich im Gespräch beurteilen; eine körperliche Untersuchung braucht es dafür nicht. Der Arzt fragt, hört zu, schätzt ein, und wenn eine Arbeitsunfähigkeit vertretbar ist, stellt er die Bescheinigung aus.

Was per Video nicht geht, ist die Diagnose einer Depression bei einem Menschen, den der Arzt zum ersten Mal sieht. Deshalb fragt der Bogen vor dem Gespräch nach Stimmung, Interesse und Gedanken, sich etwas anzutun. Fallen diese Fragen auffällig aus, ist die Videosprechstunde der falsche Ort, und der Arzt sagt Ihnen, wohin Sie stattdessen gehören.

Wann reicht eine Auszeit nicht?

Wenn Sie seit mehr als zwei Wochen fast jeden Tag niedergeschlagen sind oder an fast nichts mehr Freude haben. Wenn der Alltag kaum noch geht. Wenn Sie vermehrt trinken oder zu Schlafmitteln greifen. Wenn die Beschwerden nicht seit Tagen bestehen, sondern seit Monaten. Dann ist eine Krankschreibung höchstens der erste Schritt, und der zweite gehört zu Ihrem Hausarzt oder in eine psychotherapeutische Sprechstunde, die Sie ohne Überweisung aufsuchen können; Termine vermittelt die 116117.

Wenn Sie Gedanken haben, dass Sie lieber nicht mehr leben möchten, oder daran, sich etwas anzutun: Sprechen Sie darüber, jetzt. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, im Notfall wählen Sie die 112. Das ist kein Ersatz für ein Arztgespräch, aber der erste Schritt dorthin.

Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall. Bei akuter Gefahr wählen Sie 112.